Diese private Webseite widmet sich dem Andenken an meinen Großvater Otto Milchert, der vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg als treuer Mitarbeiter in der traditionsreichen Rauchtabakfabrik Gebr. Crüwell in Bielefeld tätig war. Er erlebte den Vorkriegsalltag, die dramatische Zerstörung des historischen Crüwell-Hauses am Alten Markt im Jahr 1944 und den beeindruckenden Wiederaufbau pünktlich zum deutschen Wirtschaftswunder.
Die folgenden historischen Fotografien aus unserem Familienbesitz dokumentieren seinen Lebensweg, seine geschätzten Kollegen und die unvergesslichen Momente der Gemeinschaft in einer der ältesten Tabakfabriken Deutschlands.
Die historische Fotosammlung
Mitten im Arbeitsalltag: Die Belegschaft im Werk
Dieses unschätzbare Dokument der Bielefelder Industriegeschichte fängt die echte Arbeitsatmosphäre in den Produktionshallen der Tabakfabrik ein. Die Mitarbeiter tragen ihre typischen hellen und dunklen Arbeitskittel (Werksschürzen). Im Vordergrund sind mechanische Vorrichtungen zur Tabakverarbeitung – wie Waagen oder Schneidemaschinen – zu sehen. Mein Großvater Otto Milchert sitzt hier im Zentrum des Geschehens und blickt direkt in die Kamera. Dieses Bild verdeutlicht den engen und fast familiären Zusammenhalt, der die Belegschaft über Jahrzehnte hinweg auszeichnete.
Gemeinschaft und Handwerk
Eine weitere Aufnahme aus den Fabrikräumen, die am selben Tag wie das vorherige Bild entstand, jedoch eine leicht veränderte Perspektive und Gruppenkonstellation zeigt. Die exakt gleichen Gesichter tauchen hier wieder auf, darunter auch die Dame im markant gemusterten Kleid. Es dokumentiert eindrucksvoll die Menschen, die durch ihre tägliche Handarbeit den weltweiten Ruf der Crüwell-Rauchtabakmischungen begründeten und das Unternehmen selbst durch die schwersten Krisenjahre trugen.
Ein stolzes Dienstjubiläum im Hause Crüwell
Ein offizielles Festfoto, das die tiefe Verwurzelung und den Respekt innerhalb des Betriebs zeigt. Im Zentrum des Hofes ist eine große, feierlich geschmückte „50“ in einem Ehrenkranz aufgebaut, flankiert von einem üppigen Geschenkkorb der Geschäftsleitung. Bei der geehrten Person im strammen Mantel und Hut handelt es sich vermutlich um den langjährigen Inhaber Richard Mitzlaff-Crüwell (anlässlich seines 50. Geburtstags 1936) oder einen altgedienten Meister. Mein Großvater hütete diesen Abzug zeitlebens als wertvolles Andenken an seinen „Prinzipal“ und die gemeinsame Wirkungsstätte.
Aufbruch ins Sauerland: Die Abfahrt
Dieses Foto dokumentiert die große Vorfreude kurz vor der Abfahrt oder während einer Rast des legendären Crüwell-Betriebsausflugs im Jahr 1950. Die jungen Erwachsenen und Jugendlichen posieren stolz in ihrer feinsten Sonntagskleidung vor dem mächtigen Reisebus. Solche organisierten Fahrten waren in den frühen Jahren des Wirtschaftswunders ein seltenes und hochgeschätztes Privileg, das die Belegschaft nach den harten Entbehrungen des Krieges sichtlich genoss.
Unbeschwerte Stunden an der Sorpetalsperre
Die rückseitige Beschriftung dieses Bildes verrät den genauen Ort: „An der Sorpe“. Die Aufnahme zeigt die Männer der Belegschaft entspannt auf Holzbänken am Ufer des Sorpesees, während im Hintergrund zahlreiche Badegäste das kühle Nass genießen. Nach der Fertigstellung des Wiederaufbaus des Bielefelder Stammhauses im Jahr 1949 war dieser gemeinsame Ausflug im Sommer 1950 ein emotionaler Meilenstein und ein echtes Symbol für den Neuanfang und den wiedergewonnenen Optimismus.
Die Crüwell-Familie auf Reisen
Als Familienbetrieb par excellence gehörte es bei den großen Ausflügen der Gebr. Crüwell dazu, dass auch die Ehefrauen, Kinder und Jugendlichen die Reise begleiteten. Das Bild zeigt eine große, bunt gemischte Gruppe voller bester Laune. Es fängt den Moment perfekt ein, in dem die soziale Gemeinschaft des Betriebs über die reine Werkstätigkeit hinausging und zu einem festen Gefüge im Leben der Arbeiter wurde.
Für die gute Stimmung: Live-Musik im Grünen
Was wäre ein echter Betriebsausflug der 1950er-Jahre ohne Musik? Um die Stimmung bei Laune zu halten, griff man selbst zu den Instrumenten. Hier sieht man eine fröhliche Männergruppe, in deren Mitte ein Kollege schwungvoll das Akkordeon spielt. Es wurde gemeinsam gesungen, gelacht und die neugewonnene Freizeit in vollen Zügen zelebriert.
Der Soundtrack des Wirtschaftswunders
Ein wunderschönes Einzelporträt des jungen Musikers Günter Milchert mit seiner Quetschkommode, aufgenommen auf einem Holzsteg am Wasser. Die Klänge dieses Instruments begleiteten die Crüwell-Belegschaft den gesamten Tag über und brannten sich als bleibende, positive Erinnerung in das Gedächtnis meines Großvaters und Vaters ein.